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Kontiki und Paulchen sind diesmal nicht dabei

Rückspiegel 8 vom 22. Mai 2007

Rückspiegel 8 vom 22. Mai 2007
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G’day mate!

For our English speaking friends: Abstract in English at the end of the German part.

In diesem Bericht:

Great Ocean Road, Arbeiten auf der Farm

Nach zwei Wochen “Ferien” bei Barbara, unserer Schlummermutter in Melbourne, haben wir uns auf die Great Ocean Road aufgemacht. Diese Strasse gehoert zu den weltbekanntesten Strecken und wird in der Hauptsaison besonders haeufig befahren. Wir waren jedoch fast die einzigen auf weiter Flur und dachten zeitweise, ob sie die Strasse fuer uns frei von Autos, Caravans und Wohnmobilen gehalten haben.

In Apollo Bay stellten wir am Nachmittag bei etwas Wind unser Zelt auf. In der Nacht kam ein Sturm auf und wir bangten um unser Zelt als es geschuettelt, geruettelt und flachgedrueckt wurde. Haben wir doch schon eine gebrochene Zeltstange und Reissverschluesse, die ab und zu nicht mehr richtig schliessen… Wir wollten kein Risiko eingehen und haben das Zelt dann mitten in der Nacht zwischen zwei Wohnwagen gezuegelt. Als wir mit der Aktion fertig waren, setzte dann noch Regen ein. Aber richtig! Zum Glueck lagen wir dann schon im warmen Schlafsack.

Die Zwoelf Apostel, die zu den Highlights der Great Ocean Road gehoeren, haben uns eher weniger beeindruckt als die Bay of Islands mit ihren Hunderten von kleinen Inselchen, die von einer schroffen Kuestenlinie umgeben sind.

ZwoelfApostel GreatOceanRoad

So schoen wie es hier im Moment auch ist, das Velofahren ist hier sehr anstrengend. In der Nacht sinken die Temperaturen jeweils auf 5 Grad und tagsueber regnet und windet es oft und stark. Der Wind kommt natuerlich wie immer von der falschen Seite. Wir sehnen uns nach waermerem Wetter und denken uns verschiedene Moeglichkeiten aus, wie wir von Adelaide weiterreisen wollen. Dieses feuchte Wetter koennten wir auch zu Hause haben…

In Mt Gambier (South Australia) hat Sibil ihr Mami angerufen. Da es bitterkalt war, taenzelte Bruno vor der Telefonkabine auf und ab und wartete, bis Sibil endlich fertig berichtet hat. Auf der gegenueberliegenden Strassenseite war ein Restaurant und dort sassen ein paar Gaeste, die Bruno beobachteten. Offenbar musste Bruno ihnen leid getan haben: Einer kam rueber und lud uns zu einem Kaffee ein. Wir berichteten von unserer Reise und hatten einen glatten Abend. Wir erhielten von Heather und Rod, einem Farmerehepaar, spontan eine Einladung auf ihre Farm. Dieses Angebot nahmen wir sehr gerne an!

Zu diesem Zeitpunkt haetten wir noch nicht gedacht, dass diese Einladung zu einem Highlight unserer Reise wird.

Rod’s Farm liegt etwa 25 km ausserhalb von Keith, einem 1300 Seelendorf zwischen Adelaide und Mt Gambier. Er bewirtschaftet 1200 ha (12 km2) Land, hat 300 Mutterkuehe, 200 Kaelber, 200 Rinder und 10 Stiere. Das Land ist verglichen zu Schweizer Verhaeltnissen eher karg und trocken. Wegen der Trockenheit wuchs auf den Wiesen in der letzten Zeit nichts mehr und das Gras verdorrte. Alles war braun und die Kuehe hatten absolut nichts mehr zu fressen. Rod musste Futter kaufen und die Kuehe von Hand fuettern. Wir halfen ihm, ein paar der letzten Heuballen in den Paddocks zu verteilen. Wenn jetzt nicht bald der Regen kommt, wird’s wirklich eng. Heu ist im Moment sehr rar und nur zu horrenden Preisen zu haben.

Rod_Sibil_Trog RodUndBruno_Kuh

Weil das Vieh durch die Trockenheit und Futtermangel derart ausgelaugt ist, haben die schwaecheren Tiere der Herde fast keine Chance zu ueberleben. Wir hatten in dieser Woche zwei Kuehe, die nicht mehr aufstehen konnten. Wir brachten ihnen Heu, mit Mineralsalz angereichertes Wasser und steckten eine Infusion. Doch die Bemuehungen fruchteten nicht: Rod musste die beiden Kuehe erschiessen. Wir legten eine Kette um die Fuesse der Kuehe und zogen sie mit dem Ute auf den Kuhfriedhof im Busch, wo schon ettliche andere Kuehe lagen. Bis heute hat er in diesem Jahr bereits acht Tiere auf diese Art verloren.

Noch selten haben wir einen zufriedeneren Menschen gesehen, als der ersehnte Regen dann endlich kam. Rod sass am Abend in seinem Lehnstuhl und strahlte, als der Regen auf das Dach prasselte. In dieser Woche regnete es noch ein paar Mal und man konnte sehen, wie das Gras wuchs.

Mit Vierradtoeffs trieben wir die Herden von einer Weide auf die andere. Bei dieser Verschiebeaktion muss man aufpassen, dass nicht einzelne Kaelber zurueckbleiben. Als die Tiere im neuen Paddock waren, kontrollierten wir, ob auch alle mitgekommen sind. Wir fanden dann tatsaechlich ein kleines Kaelbli, das noch zu jung war um mit der Herde mithalten zu koennen. Rod legte es Sibil auf den Schoss und so fuhr sie es mit dem Vierradtoeff zur Mami-Kuh.

Sibil_mit_Kaelbli

Die Arbeit auf dem Bauernhof war sehr anstrengend: Nach dem Wetterbericht schliefen wir alle vor dem TV ein…

Diese Woche war fuer uns ein einmaliges Erlebnis.

Rod und Heather nahmen uns dann am Wochenende mit nach Adelaide, wo wir nun in ihrem Stadthaus wohnen duerfen.

Am Samstag koennen wir unseren Campervan, den wir fuer die naechsten 20 Tage gemietet haben, abholen. Damit fahren wir dann durch das red centre von Australien nach Darwin und dann weiter nach Port Headland. Von Port Headland aus fahren wir dann wieder mit dem Velo weiter nach Perth.

Fragen und Antworten

Was vermissen wir?

Sibil: Bettsocken, lange Unterhosen habe ich mir mittlerweile gekauft… und ein richtiges Schoggijoghurt!
Bruno: Emmi Choco Latte… mmmh, das waere jetzt was!

Das hat mir gefallen:

Sibil: Mit dem Kaelbli auf dem Schoss Toeff fahren.
Bruno: Der Sternenhimmel ueber der Farm in Keith.

Unsere bisherige Reiseroute:

Ebertswil (CH) – Donaueschingen (D) – Ulm – Regensburg – Passau – Wien (A) – Bratislava (SK) – Trencin – Piestany – Komarom (H) – Esztergom – Budapest – Baja – Sombor (YU) – Novi Sad – Belgrad – Nis – Gevgelia – Thessaloniki (GR) – Rhodos – Faliraki – Limassol (CY) – Lefkosia – Girne – Tasucu (TR) – Adana – Elazig – Tatvan – Van – Tehran (IR) – Sydney (AU) – Katoomba – Newnes – Crookwell – Goulbourn – Braidwood – Bateman’s Bay – Eden – Genoa – Lakes Entrance – Bairnsdale – Sale – Port Albert – Tidal River – Foster – Leongatha – Cowes – Melbourne – Devonport – Miena – Hobart – Bruny Island – Freycinet NP – Bay of Fires – Mount William NP – Bridport – Devonport – Melbourne – Apollo Bay – Mt Gambier – Keith – Adelaide

Etwas für Zahleninteressierte:

Anzahl Tage unterwegs: 400
Kilometer: 8000

Geplante Weiterreise:

Alice Springs – Darwin – Broome – Port Headland – Perth

Cheerio!

Sibil Kurtz und Bruno Holliger

Abstract in English
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After two weeks of “holidaying” at Barbara’s House, we said goodbye and headed to the Great Ocean Road. It was like starting from home again. We had such a good time with Barbara and John. Thank you very much!

At Apollo Bay we had to move our tent in the middle of the night because there was a sudden thunderstorm which blew us almost away. We rebuilded it between two caravans and there we felt much safer than before.

The Twelve Apostels were nice but we were more impressed by the Bay of Islands with hundreds of small islands surrounded by rugged cliffs.

In Mt Gambier we met a farmer and his wife who invited us to stay for a few days at their farm. It was one of the most impressive experiences we’ve had on our trip. In comparison to Swiss farms, his farm was absolutely huge: 12 square kilometre and 700 cattle and ten bulls. We helped him to move the stock from one paddock to another, feed hay and cleaned troughs.

Unfortunately because of the drought some cows were too weak and couldn’t stand up. We tried to help them with special care (glucose infusion) but it didn’t work out: Rod had to put them down.

Luckily there was a heavy rain pour and the grass started to grow again. It was more than necessary after such a long drought.

Now we are in Adelaide. We rent a campervan and head North to Alice Spring, Darwin, Broome, Port Headland. From Port Headland we ride the bicycle to Perth.

Cheerio!

Sibil Kurtz und Bruno Holliger

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